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Das Schwert ganz runter und das Segel über die Ecke!

Es ist heiß an diesem Wochenende Anfang Juni am Bodensee, die Sonne sticht vom blauen Himmel und auf dem Wasser weht nur an vereinzelten Stellen ein schwacher Wind. Doch diese Windfelder reichen der Gruppe aus sieben Seglerinnen und Seglern in ihren Booten, die Manöver lassen sich bei wenig Wind so einfacher nachvollziehen.

„Du musst bei der Halse in die Schot greifen, dann die Pinne zu dir herziehen und dann den Baum mit der Schot auf die andere Seite ziehen“, ruft es von einem der beiden Trainermotorboote, die ständig um die kleinen Optimisten kreisen. Am Steuer steht Alexa Schaufler, Anfang 20, Medizinstudentin. Sie ist nach Überlingen gekommen um als Trainerin das Wochenende mit den jungen Seglerinnen und Seglern zwischen 8 und 12 Jahren auf dem Wasser zu verbringen – und ihnen einige Kniffe des Segelns beizubringen. Organisiert wird das Trainingswochenende, für das es bis Ende September noch vier weitere Termine gibt, von der Seglerjugend Baden-Württemberg im Rahmen der „Optiliga“ - einer Serie aus mehreren kleinen, eintägigen Trainingsregatten für Einsteiger.2018 06 05 OL Trainingswochenende Ueb 01 Ergänzend zu den Regatten bietet die Seglerjugend des Landes-Segler-Verbandes Baden-Württemberg die Trainingswochenenden an – Hauptziel dabei ist, dass sich die jungen Seglerinnen und Segler aus den verschiedenen Vereinen kennenlernen, der Austausch gefördert und, wenn alles gut läuft, sich die Kinder gegenseitig zum Einstieg in den Regattasport motivieren. Auf dem anderen Trainermotorboot kümmert sich mit Sophie Geiger eine weitere Trainerin um den Segelnachwuchs. Die 29-jährige Doktoratin der Chemie zeigt dem siebenjährigen Younes aus Sipplingen, wo er sich auf Boot am besten hinsetzt, damit er bei dem wenigen Wind am schnellsten segeln kann. Dass dabei die Segelstellung zum Wind noch nicht einwandfrei passt und das Segel deswegen einige Falten wirft wird dann der nächste Schritt. 2018 06 05 OL Trainingswochenende Ueb 03„Das Schwert ganz runter und das Segel über die Ecke“, ruft sie der Seglerin zu, die gerade auf einem Am-Wind-Kurs auf sie zusegelt. Maxima heißt die ebenfalls siebenjährige aus Überlingen, die etwas fragend in Richtung Motorboot schaut und nicht so richtig zu wissen scheint, was die Trainerin von ihr will. „Hast du Gummibärchen dabei?“, möchte sie wissen. „Gummibärchen gibt es, wenn sie mit dem Boot einen Aufschießer ans Motorboot segeln, also das Boot in den Wind stellen, es somit abbremsen und dann sauber anlegen“, erklärt Geiger, während sie ihr Boot aufstoppt und bereits nach der begehrten Dose kramt. „Du musst bei dem wenigen Wind etwas weiter nach vorne rutschen“, hört man Alexa Schaufler von der anderen Seite des Trainingsgebiets einem Segler in seinem Opti zurufen. Mit 12 Jahren ist Nicolas aus Überlingen der älteste der Gruppe. Seine Größe und sein Gewicht wirken sich sofort auf den Trimm des kleinen Boots aus, da machen schon wenige Zentimeter mit dem Körper nach vorne oder hinten viel Widerstand im Wasser und damit Geschwindigkeit aus. 2018 06 05 OL Trainingswochenende Ueb 04„Mit zwei Trainerinnen auf sieben Kinder ist das schon Luxus – aber bei einer heterogenen Gruppe, gerade auch Einsteigerniveau, auch notwendig“, beschreibt Schaufler den Trainer-Kind-Schlüssel bei diesem Trainingswochenende. „Wenn etwas mehr Wind kommt, ist man auch mit zwei Motorbooten dann voll beschäftigt, die Gruppe zusammenzuhalten und trotzdem sich um jedes Kind individuell kümmern zu können“. „Gefördert wird das Trainingswochenende, wie alle Trainingsmaßnahmen im Rahmen der Optiliga, von der Deutschen Seglerjugend, der Jugend des Deutschen Segler-Verbandes“, erklärt Landesjugendobmann Fabian Bach. „Dies betrifft vor allem die Trainerhonorare und die Fahrtkosten der Trainerinnen und Trainer im Rahmen der Trainingsmaßnahmen. Dadurch ist es uns dieses Jahr möglich, insgesamt vier solcher Wochenenden anzubieten. Drei davon am Bodensee, eins am Oberrhein in Rastatt.“, so Bach weiter. „Auch die Seglerjugend Baden-Württemberg fördert die Trainings natürlich aus seinen Etatmitteln, stellt die Infrastruktur oder Motorboote. Und organisiert die Trainerinnen und Trainer. Der Eigenanteil für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist demzufolge gering.“ Mittagessen gibt es an diesem Wochenende im Clubrestaurant des Segel- und Motorbootclub Überlingen, direkt am Osthafen. Dieser befindet sich gerade in Luv, also genau in der Richtung aus der der Wind weht. Und dorthin möchten nun alle wieder zurück. Also: „Schwert ganz runter und das Segel über die Ecke!“ – das Mittagessen wartet.