Raus ins Trapez! Landesjugendmeisterschaft vor der Insel Reichenau

Daniel Wehrle sollte an diesem Freitag Recht behalten: „Vermutlich werden wir erst am späten Nachmittag Wind bekommen“, prognostizierte der Vorstand der Jollensegler Reichenau unter dem schlapp herabhängenden Startverschiebungswimpel.

Die beinahe 70 Seglerinnen und Segler, die am 4. September zur Landesjugendmeisterschaft der 29er und 420er auf die Insel Reichenau gekommen waren, nahmen es gelassen und verhielten sich vor dem Hintergrund der Hygienevorschriften äußerst diszipliniert.

Ein großes Lob sprach dann auch die Vorsitzende des Landes-Segler-Verbands Baden-Württemberg, Gabriele Kromer-Schaal zur Begrüßung an die jungen Segler aus, die sich nie über die Einschränkungen beklagt hätten. Katharina Schwachhofer (YC Radolfzell), glaubte zu wissen, warum sich niemand beschwert: „Wir sind so froh, dass wir überhaupt segeln dürfen“, sagte die Steuerfrau eines 29ers.2020 09 07 ljm reichenau2
Eigentlich war die gesamte LJM in Radolfzell geplant, wo die Jollensegler Reichenau eine Bahn betreut hätten. Doch dann kam Corona und fegte alles über den Haufen. „Wir wollten die Regatta auf jeden Fall stattfinden lassen“, sagte Vorstand Daniel Wehrle dazu. Und so beschloss der Verein, die Organisation selber in die Hand zu nehmen. Um 17 Uhr scheuchte ein Schuss die Segler auf wie einen Starenschwarm und endlich konnte ausgelaufen werden konnte.2020 09 07 ljm reichenau3
Einige hatten die windstille Zeit genutzt, um sich zusammen mit Schiedsrichter Steffen Zeiser eine Protestsituation auszudenken und mit korrekter Anmeldung und Verhandlung durchzuspielen. Die beiden Gruppen um Protestführerin Paula Fasterling (WV Fischbach) und Protestgegner Pius Rawitzer (JS Reichenau) füllten die Formulare aus und übten sich im stichhaltigen Formulieren der Wegerechtsverletzung an der Luv-Bahnmarke der Ziellinie. Geduldig hörte das Mitglied des Protestkomitees die Argumente der beiden Parteien und ihrer Zeugen an, gab Hilfestellungen und Paula im Ende Recht: Pius hätte an der Bahnmarke nicht luven und sie am Überqueren der Ziellinie nicht hindern dürfen, als innenliegendes Boot mit Überlappung hatte sie Wegerecht.
Über zwei Slipanlagen gingen in kürzester Zeit 15 Jollen der 420er-Klasse und 17 29er ins Wasser um 17.45 Uhr fiel auf der Bahn vor dem Yachtclub der Startschuss für die Skiffs, kurz darauf folgten die Zweihandjollen zu ihrem ersten und letzten Lauf des Tages. 2020 09 07 ljm reichenau4
Mit einem enormen Vorsprung gingen Frederik Steuerer und Lukas Goyarzu, beide Württembergischer YC, bei den 29ern durchs Ziel. Bei den 420ern glänzte das Team Consti Tröger und Gretha Wollmann vom BYC Überlingen. Nach einer Protestverhandlung wurden sie aber disqualifiziert.

Ganz anders ging es am Samstag zur Sache. Mit vier bis fünf Beaufort bei Sonnenschein konnte Wettfahrtleiter Daniel Wehrle – diesmal auf der sogenannten Campingplatz-Bahn vor Steckborn – um 11 Uhr bereits die erste Wettfahrt anschießen. Dabei stellte der zügige Süd-West-Wind manche 420er-Segler vor größere Herausforderungen, wie Vorschoter Pius Rawitzer erzählt. Zwei junge Umsteigerteams kenterten und konnten nur mit Schlauchboothilfe wieder aufgerichtet werden. Vor allem im Rhein hatte sich eine hohe, kurze Kabbelwelle aufgebaut, Böen und Winddreher sorgten für zusätzliche Würze. Bedingungen mit denen die Teams aus Bayern bestens zurecht kamen, so dass sie sich schon früh vom Feld absetzen konnten. „Die Kurse waren gut gelegt und konnten in 40 Minuten durchfahren werden“, sagte Jan Schliemann, Trainer der 420er-Fördergruppe Untersee. So konnten an diesem Tag fünf Wettfahrten durchgezogen werden.2020 09 07 ljm reichenau6
Wo die 420er teilweise kämpften, schwärmten Katharina Schwachhofer und Elena Stolze von ihrem perfekten Design-Wind, der ihnen nie zu viel Druck bereitete. „Das war unser Tag“, sagte Katharina. Trotz eines Frühstarts im letzten Lauf, von dem sie sich umgehend entlasteten, überquerten sie als zweite die Ziellinie und beendeten den Samstag als Tabellenerste.

Und dabei sollte es dann auch bleiben. Der Sonntag hatte außer einer dichten Wolkendecke nichts zu bieten und Daniel Wehrle schoss die LJM um 12.30 Uhr endgültig ab und die traditionellen Reichenauer Gemüsekisten und Kräutertöpfchen, die für jedes Segler-Team für die Siegerehrung bereitstanden, verwandelten den Platz für kurze Zeit in einen herrlich bunten Marktstand.
Im 29er wurden Katharina Schwachhofer und Elena Stolze, beide YC Radolfzell, mit ihrem ersten Platz Jugendmeisterinnen von Baden-Württemberg. Auf den zweiten Platz schaffte es das Team Marie-Sophie Meinert (Diessener SC) und Justus Ernst (Deutscher Touring YC), Platz drei ging an Frederick Steuerer und Lukas Goyarzu vom Württembergischen YC.
Im 420er siegte souverän – ihr Streicher war ein zweiter Platz – das Team des Münchner YC Vincenzo Reuter und Lucas Schürmann. Auch der zweite Platz ging an Segler des Münchner YC, an Julius Steiner und Raffael Janas. Auf Platz drei kamen Julius Osner (SMC Überlingen) und Nina Heitland vom Lindauer SC.2020 09 07 ljm reichenau7
„Ich bin richtig happy, dass die Jollensegler Reichenau die Veranstaltung auf die Beine gestellt haben und dass trotz Kieler Woche die maximale Teilnehmerzahl erreicht wurde“, sagte Marc Schulz. Trotz schwieriger Bedingungen hat die Wettfahrtleitung die Regatten perfekt organisiert, findet der Bundestrainer Bundesstützpunkt Nachwuchs Süd. Mit seinen Schützlingen, den 29ern fährt er jetzt nach Kiel.

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