Top-Kondition braucht fundiertes, einheitliches Training

Training auf dem Wasser? Aktuell verboten. Training im Gymnastik- oder Kraftraum? Ebenfalls. Trainer arbeits- oder tatenlos? Fehlanzeige!

 

Der Landes-Segler-Verband Baden-Württemberg macht das Beste aus der wassersportfreien Zeit. Die Trainer arbeiten an einer neuen Konditions-Rahmentrainingskonzeption für die Nachwuchstalente und das ganz im Sinne des Social Distancing per Videokonferenz.
Regelmäßige Trainermeetings (alle drei bis vier Wochen) gab es im Verband ja schon vor der Coronakrise- jetzt gibt es sie wöchentlich.
Neben dem leitenden Landestrainer Peter Ganzert, dem Trainer des Bundstützpunkts Nachwuchs Süd, Marc Schulz und Hartmut Desiderato (im Ehrenamt des Vorstandes für den Leistungssport verantwortlich) „treffen“ sich dann weitere drei bis vier Trainer im virtuellen Besprechungsraum zwei- bis dreimal die Woche, jeweils mehrere Stunden lang. Dass der Kaffee dabei aus verschiedenen Maschinen stammt – geschenkt, dass die Verbindung manchmal abbricht – geschenkt. Hauptsache man tauscht sich aus und schaut sich dabei in die Augen.

Teenager

Im Fokus der Arbeitsgruppe steht aktuell die Altersgruppe der Zehn- bis 13-Jährigen. Denn während für die älteren Segler bereits Trainingspläne existieren, gibt es diese für die Jüngsten, die Segler im Opti(misten) noch nicht so detailliert. Damit unterfliegen sie die meiste Zeit des Jahres den Konditionsradar der Coaches. Trainer Jakob Janich wird künftig sich gerade den Inhalten und Themen für diesen Altersbereich besonders widmen - als neuer Talentkoordinator des Verbandes. Er wird dabei auch ein wichtiges Bindeglied und Ansprechpartner für die Vereine des Landes-Seglerverbandes sein. Zwar sind die Zehn- bis Dreizehnjährigen meist noch keine Landeskader im Sinne der DOSB-Definition oder des Landes-Sportverbandes, aber ohne intensive Verbandsförderung geht es auch nicht. Schließlich ist der Umstieg in eine Jugendbootsklasse - meist mit 13, 14 oder 15 Jahren - gut vorzubereiten.

Umsteiger

Werden die Leistungssportler dann mit 18 oder 19 Jahren möglichst an den Bundeskader und damit zum Training an den Bundesstützpunkt Kiel herangeführt, ist deren körperliche Leistungsfähigkeit bzw. Technik bei bestimmten Konditionsübungen aus Sicht mancher Trainer bislang eher sub-optimal.
Deshalb sollen jetzt konkretere Standards für die einzelnen Altersstufen von Anfang bis Ende der Trainingsetappen und zunächst auf Landesebene definiert werden. So kann eine einheitliche Ausgangsbasis für den Wechsel in den olympischen Bereich gewährleistet werden.
Doch wie führt man die Jüngsten an ein strukturiertes Training heran? Wieviele Wochenstunden können sie neben der Schule und dem Wassertraining an ihrer Kondition, Rumpfstabilität, Koordination und Kraft arbeiten? Und wie kann das kindgerecht und trotzdem zielführend gestaltet werden?
Wieviel Raum sollen Koordinationsübungen im besten motorischen Lernalter einnehmen und wann und wie sollen die kleinen Sportler damit beginnen, die Technik bestimmter Kraftübungen zu verinnerlichen? Macht es Sinn, z.B. eine „Kniebeuge mit Langhantel“ schon mal mithilfe eines Besenstiels zu üben? Solche und viele weitere Fragen werden erörtert – die Beantwortung nimmt viel Zeit und Expertise in Anspruch.
Ganz abgesehen davon, dass das Einzugsgebiet des Talentkaders im Flächenland Baden-Württemberg groß ist. Nicht alle Kinder und Jugendlichen haben die Möglichkeit regelmäßig im Landesleistungszentrum in Friedrichshafen zu trainieren. Also sind Trainingsübungen für zuhause gefragt – eben auch mit einem Besenstil oder handelsüblichem Sprungseil, Widerstandsband, Yogamatte und Gymnastikball. Nichts davon nimmt viel Platz weg oder kostet viel Geld und alles kann ggf. altersgerecht ergänzt werden. Eigens erstellte Videos zu Kraftübungen und solche, die im Netz bereits online sind, sollen weitere Bausteine für jede Trainingseinheit sein.

Baukastenprinzip

Das Projekt ist langfristig angelegt. Erreichen die Opisegler die nächste Jahrgangsstufe, „wächst“ auch das Trainingskonzept mit. Bis hin zu zu den 18- bis 19-Jährigen, deren Ziele und Inhalte ebenso im virtuellen Trainermeeting bearbeitet werden.
„Die Zeit ist sinnvoll investiert“, ist Peter Ganzert überzeugt. „Um Sportler mit Top-Kondition hervorzubringen ist es wichtig, dass oftmals dezentrale Training ganz konkret zu erarbeiten, praktikabel und effizient zu gestalten“, so Bundes-Stützpunkttrainer Marc Schulz. „Mit der neuen Rahmentrainingskonzeption (RTK) könnten alle Trainer im Verband an denselben Stellschrauben drehen, dieselben Begriffe und Übungen verwenden“, führt Landestrainer Ganzert an. Darüber freut sich dann sicher auch der Deutsche Segler-Verband, der gerade die Überarbeitung der RTK für alle Disziplinen in Angriff nimmt.

Berater

Mit dem DSV-Athletikcoach Hans-Peter Lange haben die Trainer aus Baden-Württemberg beratend auch den Dachverband an Bord des Konditionsprojekts geholt. Im virtuellen Trainermeeting ist auch Tilo Schnekenburger dabei – der ehemalige Lehrer, erfolgreiche Surfer und Trainer hat jede Menge Zeit in den Bereich Strategie und Taktik investiert und ganz aktuell eine Methodik zur Vermittlung/Ausbildung der Segeltaktik erarbeitet. Seine Ergebnisse hat er immer wieder in den Trainermeetings zur Diskussion gestellt -auch das eine weitere wichtige Basis zur strukturierten Ausbildung vom Kindesalter bis zum Juniorenbereich.

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